Fahrradkindersitz oder Anhänger? Ein Erfahrungsbericht

Kathrin Für Eltern 27 Kommentare

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Im Frühjahr 2012 kaufte ich einen Römer Jockey Comfort Fahrradkindersitz* für unser Mädchen (damals 9 Monate), weil ich das Fahrradfahren liebe und auch mit Kind auf zwei Rädern unterwegs sein wollte. Nach reiflichen Überlegungen, Recherchen und Probefahrten bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ein Fahrradkindersitz, der hinten am Fahrrad montiert wird am besten für den Stadtverkehr geeignet ist – zumindest für mich. Für den Römer Jockey Comfort habe ich mich entschieden, weil er sich kinderleicht montieren lässt, sicher & bequem ist und obendrein eine gemütliche Liegeposition bietet.

Wer sich – wie ich – nicht auf Anhieb für einen geeigneten Fahrradsitz entscheiden kann, findet in diesem Artikel die Hauptpunkte meiner Überlegungen und dadurch vielleicht eine Entscheidungshilfe.

Fahrradkindersitz vorne oder hinten?

Frontsitze sind nur bis zu einem Gewicht von 15 Kg geeignet. Der Fahrer muss eine etwas unbequeme, breitbeinige Sitzhaltung einnehmen und es kann es beim Auf- und Absteigen gefährlich eng werden. Außerdem gibt es bei einem Frontsitz keine Rückenlehne und somit keine bequeme Sitz- und Liegeposition für die Kinder. Der Frontsitz kam für uns demzufolge nicht in Frage.

Fahrradkindersitz oder Anhänger?

Das bleibt wohl eine Typ-Frage, denn beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile (siehe auch ADAC Test: „Kind im Fahrradanhänger oder Kindersitz?„. Entscheidend sind die Einsatzbedingungen und die persönlichen Präferenzen – es gibt keinen eindeutigen Sieger.

Kostenpunkt

Fahrradsitze kosten deutlich weniger als Anhänger.
Qualitativ sehr gute Fahrradsitze, wie der Römer Jockey*, liegen bei knapp 100 Euro. Hochwertige Anhänger dagegen, wie die von Croozer* oder Chariot* kosten schnell 500 Euro und mehr. Selbst Anhänger mit einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis (z.B. KRANICH*) sind erst ab ca. 180 Euro erhältlich.

Sicherheit

Welche Variante sicherer ist, lässt sich nicht eindeutig sagen.
Wer sein Kind hinten auf einem Fahrradsitz platziert, kann durch die Hecklastigkeit ins Schlingern geraten. Vor allem wenn das Fahrrad von sich aus instabil ist. Im Fahrradanhänger sind Kinder bei einem Unfall zwar etwas geschützter als in einem Fahrradsitz, doch einige Modelle laufen Gefahr bei hohen Geschwindigkeiten zu kippen (siehe auch test.de: Fahrradanhänger für Kinder). Außerdem hängen die Kids im Anhänger mit ihrer Nase genau in Auspuffhöhe, was im Stadtverkehr wahrscheinlich nicht sehr gesund ist.

Anhänger im Praxistest

Falls ihr die Möglichkeit habt, Anhänger und Kindersitz vor dem Kauf zu testen, dann macht das, denn in der Theorie sind einem viele Dinge oft nicht bewusst. Eine Probefahrt mit dem Chariot Cougar 2* einer Freundin verhalf mir innerhalb weniger Stunden zu einer klaren Entscheidung. Das war mehr Wert als jede Empfehlung!

Für mich war das Fahren mit dem Anhänger gewöhnungsbedürftig, da er sehr breit ist. Ich befürchtete permanent Bordsteinkanten oder Autos zu rammen, vor allen Dingen auf sehr schmalen, viel befahrenen Straßen – und davon gibt es bei uns viele, da wir mitten in der Stadt wohnen. Auch wenn man sich an die Breite vielleicht gewöhnen kann, fühlte ich mich dennoch ziemlich unsicher in der Rolle als riesiges Verkehrshindernis. Aus Mangel an Radwegen blockierte ich öfter die Straßen, so dass ich permanent dicht auffahrende Autos im Nacken hatte. Kein entspanntes Fahrgefühl!

Unser Mädchen merkte nichts von der Zitterpartie und schlief nach kurzer Zeit (berauscht von der Klangfülle der Stadt und den Autoabgasen) ein. Ein gutes Zeichen? Vielleicht… Obwohl sie in einer speziellen Hängematte für Babys saß, kippte ihr Kopf bedenklich weit nach vorne. Das gefiel mir ganz und gar nicht, aber ich konnte nichts dagegen machen. Davon abgesehen wurde ihr ganzer Körper durchgeschüttelt, weil der Radweg sehr uneben und die Federung recht hart war. Ich stieg enttäuscht ab und schob. Von einem 700€ teuren Gefährt hatte ich, ehrlich gesagt, eine wesentlich bequemere Liegeposition erwartet.

Effizient wie ich bin, nutzte ich die Schlafpause, fuhr in eine Seitenstraße und besorgte Brötchen beim Bäcker. Als ich mich auf den Heimweg machen wollte, musste ich eine gefühlte Ewigkeit rangieren, bis ich es mir endlich gelang, das Rad samt Anhänger auf dem dicht beparkten Gehweg zu drehen. Ich hätte es auch wahlweise 300 m rückwärts schieben können, aber da „Rückwärts Einparken mit Anhänger“ nicht zu meinen Stärken zählt, versuchte ich das erst gar nicht!

Ähnlich kompliziert gestaltete sich das Parken des Chariots in unserem Haus. Um den Anhänger in den Hinterhof zu bugsieren, müsste ich ihn diagonal gekippt über meinem Kopf schwebend, mehrere Stufen hinauf in eine sehr schmale Eingangstür balancieren, was bei einem Gewicht von 12 kg und einem auf dem Fliesenfußboden platziertem Baby nicht gerade ein Kinderspiel ist!

Fazit: viel zu unbequem, viel zu umständlich, viel zu teuer!
Ein Fahrradanhänger eignet sich wahrscheinlich dann sehr gut, wenn man längere Fahrten ins Grüne plant oder mit zwei Kindern und viel Gepäck unterwegs ist.

Für den Stadtverkehr und den täglichen Gebrauch, wollte ich etwas leichtes, kleines und unkompliziertes – ich entschied mich deshalb für einen Fahrradkindersitz.

Welcher Fahrradkindersitz?

Ich wollte unbedingt einen Fahrradsitz mit Liegeposition, das hat meine Auswahl erheblich eingeschränkt.
Testergebnisse zeigten mir außerdem, dass der Römer Jockey ziemlich gut abgeschnitten hat: Stiftung Warentest 4/2007: 2 x „Gut“ (siehe hier), Öko Test 4/2008: 2 x „Sehr Gut“ und Testbericht.de: „Gut“ (siehe hier). Die vielen positiven Rezensionen, die ich zum Römer Jockey gefunden habe (z.B. bei Amazon*), haben letztendlich meine Entscheidung bekräftigt.

Den exakten Unterschied zwischen Römer Jockey Relax und Römer Jockey Comfort habe ich nie wirklich heraus gefunden bzw. heraus finden wollen. Ich dachte es sei eine Frage des Designs und entschied mich somit aus optischen Gründen für den Römer Jockey Comfort Modell Nick.

In der aktuellen Öko Test (Nr. J1301/ 2013) schneidet übrigens nur noch der Römer Jockey Relax Maxim mit dem Gesamturteil gut ab. Der Römer Jockey Comfort Nick erhält gerade einmal ein „Mangelhaft“. Die Gründe: Die Befestigung verrutsche am Sitzrohr, beim Schwenkprüfstand sei eine Strebe gebrochen und beim Umkipptest habe sich die Höhenarretierung der Lehne gelöst. Außerdem sei die Nutzungsdauer auf 21 Monate begrenzt (Öko Test Nr. J1301, S. 196).

Das hat mich sehr stutzig gemacht. Verrutscht ist bei uns nie etwas, doch wir haben den Sitz erst ein Jahr. Ich kann also  aus eigener Erfahrung nicht sagen, wie lange er hält und wie stabil er bei einem größeren Kleinkind mit höherem Gewicht ist. Ich wundere mich allerdings, dass der gleiche Sitz beim Ökotest 2008 noch mit „Sehr gut“ abgeschnitten hat und nun quasi unzumutbar ist. Da Römer sicherlich nicht auf einmal minderwertigere Produkte herstellt, können sich also nur die Sicherheitsstandards und somit die Testbedingungen geändert haben.

Platz 1 (Gesamturteil „Gut“) des Öko Tests 2013 teilen sich der Römer Kindersitz Jockey Relax* (79,90 €), der Kettler Kindersitz Teddy* (86,56 €) und der Prophete Sicherheits-Kindersitz* (Preis 34,99 €).

Da der Römer Jockey Relax nach wie vor gut abschneidet und als einziger Testsieger eine nach hinten verstellbare Lehne bietet, würde ich mich auch dieses Jahr wieder für einen Fahrradkindersitz von Britax Römer entscheiden.

Römer Jockey Comfort – meine Erfahrung 

Mit viel Glück ergatterte ich bei Ebay einen fast neuen Römer Jockey Comfort NICK* mit passendem Regenschutz*
– zu einem unschlagbarem Preis!

Der RÖMER JOCKEY ist zwar für Kinder ab 9 Monaten geeignet, ich ließ unser Mädchen aber erst mitfahren, als sie selbstständig & stabil sitzen konnte (mit ca. 10 Monaten). Es gibt einen großflächigen Speichenschutz, was mir persönlich deshalb so wichtig war, weil mein Neffe aus Versehen mit den Füßen in die Speichen gekommen ist und sich so einen Fuß gebrochen hat. Der Römer Jockey lässt sich schnell montieren – er wird direkt an der Rahmenstange befestigt. Der Sitz lässt sich außerdem in wenigen Sekunden von der Halterung abnehmen und dank Zweithalter* können Thomas und ich (im Wechsel) jederzeit Chauffeur spielen.

Die erste Probefahrt

Thomas montierte unseren Supersitz flugs und schon konnte es losgehen! Unser Mädchen saß bequem und kam ähnlich wie bei der Probefahrt im Anhänger schnell in Hochstimmung. Die Fahrt auf meiner „Gazelle“ – einem uralten Hollandrad war jedoch eine sehr wackelige Angelegenheit, da das zusätzliche Gewicht am Heck und ihr freudiges Wippen die Stabilität immens beeinträchtigten. Ich hielt krampfhaft den Lenker mit beiden Händen fest und versuchte mit aller Kraft das Schwanken zu unterdrücken. Mit wenig Erfolg.

Unser Mädchen bekam davon nichts mit und signalisierte eindeutig Gefallen am neuen Adrenalinrausch: nicht nur lautstark, vielmehr schlug sie mit ihren kleinen Händchen ganz aufgeregt auf meinen Po – wohl in der Hoffnung auf ein noch schnelleres und noch wilderes Fahrvergnügen. Schnell ist gut, aber schnell und sicher ist viel besser, so dass ich mich nach dieser ersten wackeligen Testfahrt für ein neues Fahrrad entschied.

Neues Fahrrad, besseres Fahrvergnügen

Nach gründlicher Beratung in verschiedenen Fahrradgeschäften, habe ich mich für ein Velo de Ville entschieden. Der Unterschied zu meinem alten Hollandrad ist enorm! Das Velo fährt trotz Zappel-Mädchen ganz ruhig und ich komme ohne große Anstrengung auf eine beachtliche Geschwindigkeit.

Das Velo de Ville mit dem Römer Jockey Comfort Nick

Mit dem neuem Velo und dem Römer Jockey haben wir in der letzten Saison unzählige Kilometer zurückgelegt. Ob Kurztrip in die Stadt zum Einkaufen,  Schlummerfahrt zur Mittagszeit oder Ausflug zum See – unser Mädchen und ich, wir haben großen Spaß am Radeln. Wenn sie einschläft, stelle ich den Sitz problemlos (mit einer Hand) in Liegeposition, jedoch schiebe ich das Rad dann sicherheitshalber. Auf unseren von Schlaglöchern übersäten Straßen und Schotterpisten können Kinder – im Fahrradsitz wie im Anhänger – einfach nicht schlafen, ohne dass der Kopf hin und her rollt. Ich finde das nicht gut, deswegen wird – falls sie schläft – immer geschoben.

Fazit: Ich habe an unserem Römer Jockey absolut nichts zu beanstanden und kann ihn wärmstens weiter empfehlen. Wir warten schon ganz ungeduldig auf die neue Fahrradsaison, denn dann werden Rad und Sitz wieder täglich zum Einsatz kommen.

Brauche ich ein spezielles Fahrrad?

Nein! Wer bereits ein Fahrrad besitzt, kann bei einer Testfahrt mit Sitz und Kind schnell heraus finden, ob es Probleme beim Fahrverhalten gibt, oder nicht. Bei Unsicherheiten am besten den Fahrradhändler eures Vertrauens fragen. Dieser hilft sicherlich auch bei der Montage des Sitzes, falls es Probleme gibt.

Wer noch auf der Suche nach einem fahrbaren Untersatz ist, sollte auf folgende Punkte achten:

  • Der Rahmen sollte so tief sein, dass ihr sicher absteigen könnt
  • Da der Fahrradsitz von sich aus federt, bitte keine Rahmenfederung, es sei denn euer Sprössling soll bouncen
  • Achtet auf gute Bremsen, schließlich müsst ihr zusätzliches Gewicht zum Halten bringen
  • Ein guter Doppelständer empfiehlt sich, damit das Rad sicher steht
  • Verzichtet auf eine Rücktrittbremse, denn es ist super praktisch, wenn ihr an einer Ampel das Pedal schnell in die richtige Stellung drehen könnt
  • Bevorzugt eine leichtgängige Schaltung, dann könnt ihr schnell ein paar Gänge hoch und runter schalten. Das ist vor allem beim Anfahren von Vorteil!
  • Bevorzugt ein Nabendynamo: dann habt ihr immer Licht dabei, ohne schwer in die Pedalen treten zu müssen

Mehr Tipps und Infos bekommt ihr sicherlich im Fahrradgeschäft!

Welcher Fahrradhelm?

Kleine Knirpse brauchen kleine Fahrradhelme. Ich habe für unser Mini-Mädchen (damals Kopfumfang 46) bei Amazon diesen UVEX Kinder Fahrradhelm Kid II* gefunden. Er ist hinten schön abgeflacht, hat Lüftungsschlitze und kann über ein Drehrädchen individuell auf die entsprechende Kopfgröße eingestellt werden. Wer unsicher ist, wie ein gut sitzender Helm auszuschauen hat, sollte sich auch mit dieser Frage an ein Fahrradgeschäft wenden.

Wir haben das violette Blumenmotiv (siehe Foto) ausgesucht und sind begeistert wie schick und hochwertig der Helm aussieht.

Nachtrag März 2015
Unser Römer Jockey ist nun schon seit drei Jahren im Dauereinsatz und das Mädchen wiegt mittlerweile knapp 16 Kilogramm. Er hält und hält und hält – trotz intensiver Benutzung! Es schaut aktuell ganz danach aus, als wenn Nestling Nr. 2 ihn noch nutzen darf.

 

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